Das Ziel ist der Weg

Ich will von Gott und Glauben reden auf eine ehrliche Art, die nichts voraussetzt. Keine Überzeugung, keine Religion, keine bestimmte Methode. Nur die Bereitschaft und den Mut, ganz da zu sein. Ich will mir Mühe geben, so ehrlich wie möglich zu beschreiben was ich meine, wenn ich von Gott und Glauben rede - und die Hoffnung ist, dass dich das vielleicht an etwas in dir erinnert.

Also, wie fange ich an? Vielleicht damit, dass es etwas ist, was schon da ist. Etwas ganz Natürliches, Alltägliches, Einfaches. Etwas, was nicht außerhalb von mir selbst liegt, sondern im Gegenteil, was ganz und gar ich selbst bin, ohne Vorbehalte, ohne die üblichen Spiele und Berechnungen und Strategien. Etwas, was ich nicht erst lernen muss, oder machen oder erreichen muss, sondern was schon vorher da ist. Es ist im Grunde genau das Gegenteil davon erst noch dieses oder jenes werden zu müssen, es ist das, was schon da ist und auf mich wartet. Was meinen Kern ausmacht. Den ich vielleicht verlernt und vergessen habe, woran ich mich aber er-innern kann. Es geht nicht um etwas Äußeres, keine Sache oder Person, oder irgendein Produkt, von dem man überzeugt sein muss, das man sich irgendwie aneignen kann… Es geht nicht um etwas Anderes, nicht um einen anderen Zeitpunkt, nicht um andere Umstände, sondern es geht um mich selbst. Es geht um genau mich genau jetzt und genau hier.

Entgegen allem, was wir sonst so erleben und denken in unserer Gesellschaft, nämlich dass die Lösung für unsere Probleme, für diese Leere, die in unserem Inneren klafft, auch wenn wir äußerlich alles, alles haben, im Außen liegt, im Anderen, in mehr Erfolg, mehr Geld, einem besseren Partner, einem größeren Haus. Wir sind so sehr auf dieses Andere hin konditioniert, darauf, die Antworten, Lösungen, unser Glück und unseren Sinn woanders zu suchen - an einem anderen Ort, zu einem anderen Zeitpunkt, in einer anderen Person, einem anderen Ich, das wir gerne wären oder werden wollen oder meinen sein zu sollen. Das, was ist, reicht nicht aus, wir müssen immer woanders hin, brauchen immer noch mehr.

Entgegen all dem ist der Glaube diese unglaublich schlichte, simple Einladung, die sagt: Wende dich nach innen, nicht nach außen. Wende dich ans hier und jetzt, nicht an die Zukunft, ans Ist, nicht ans Sollen, nicht ans Außen, nicht an das Andere, sondern wende dich an dich selbst.

Das meint Glaube, und das ist auch schon alles. Mehr ist es nicht. Nicht etwas, wofür ich etwas Bestimmtes tun oder können oder leisten muss, sondern das Gegenteil davon. Das Tun, Können und Leisten müssen für einen Moment loslassen. Einfach nur da sein. Das ist ein Wagnis. Ein Glaubensakt.

Der Weg beginnt also mit dem Ankommen. Das Ziel ist der Weg, sozusagen. Es beginnt damit zu akzeptieren, dass wir schon angekommen sind. Dass wir alles mitbringen, alles haben, was wir brauchen. Dass es nichts mehr zu tun gibt. Das ist erstmal alles.