Nicht eingreifen

Praktizierter Glaube bedeutet Loslassen. Mich überlassen, diesem Moment, diesem Leben, das da in mir und um mich und durch mich hindurch passiert. Und ich greife nicht ein.
Das ist zugleich die einfachste und die schwierigste Aufgabe der Welt.
Es ist einfach, weil es nichts verlangt, von mir nicht, von den Umständen nicht. Es braucht garnichts. Keine Religion, kein Glaubensbekenntnis, keine Überzeugung, kein Wissen, keinen Kirchgang. Nichts ist vorausgesetzt. Ich sitze und werde still, das ist alles. Mehr ist es nicht. Das Einzige, was es braucht, ist, dass ich für einen Moment aufhöre mit dem Eingreifen.
Und zugleich ist es schwierig, weil dieses Nicht-Eingreifen das ist, was wir für gewöhnlich nicht mehr können. Was wir als Kinder alle ganz natürlich gelebt haben, was wir aber verlernt und uns abgewöhnt haben. Wir sind so sehr zu Machern geworden, zu denen, die die Kontrolle über das Leben haben, dass wir die Stille, das Nicht-Eingreifen, das Loslassen, nur schwer aushalten. Das Leben Leben sein lassen.
“Was brauche ich dafür, um das zu üben, wo gehe ich hin, was muss ich tun?” fragt es sofort in mir.
Nichts. Das Gegenteil von all dem.
Glaube ist die Praxis des Loslassens. Es beginnt mit der Übung, alles loszulassen, vor allem das Tun.
Das ist mit Sitzen in der Stille gemeint.
Loslassen und sich dem Sein überlassen, dem Leben in mir und um mich und für einen winzigen Moment daran glauben, dass das wirklich genug ist.