Unchurching

Hey,
herzlich willkommen bei Ganz Da.

Ich freue mich so sehr, denn heute ist das allererste Mal, dass ich den Text dieser Woche auch als Audiodatei mit dir teilen kann:

was der ganzen Idee hinter Ganz Da nochmal sehr viel mehr entspricht. Erstmal kommt es natürlich dem Gedanken viel näher, wirklich ganz da zu sein - und nicht vor irgendwelchen Bildschirmen abzuhängen, auch wenn die Texte noch so inspirierend sind…
Aber vor allem ist ja die Idee von Ganz Da damit so eine Art anderen Gottesdienst anzubieten und zu feiern, auf eine andere, ehrliche, persönliche Art über Glauben und Gott und Spiritualität nachzudenken, und eben mit den Texten, die ich wöchentlich rausschicke, dir einmal in der Woche so eine Zeit zu bieten, die du dir ganz bewusst nehmen kannst für deine Spiritualität, deinen Glauben, deine Beziehung mit dem Göttlichen in dir und in deinem Leben.
Eine Zeit in der Woche, die heilig ist, die Gott gewidmet ist, in der du dich auf den Spirit besinnst, auf deine innere Welt, in der du also im wörtlichen Sinne inne hältst und in der du dich dann wieder ganz bewusst neu an der Liebe ausrichtest. Am Vertrauen, an der Dankbarkeit, und aus der du dann ermutigt, bestärkt und inspiriert hervorgehst.
Das ist für mich Gottesdienst. Darum geht’s dabei für mich und genau das soll Ganz Da sein und genau das ist auch mit Unchurching gemeint. Ein Gottesdienst für Menschen wie dich und mich, die das vielleicht nicht unbedingt sonntags in der Kirche finden.
Bei der Audioversion gibt’s zusätzlich zum Text und den Gedanken, die ich mit dir teile am Ende immer noch eine Meditation, ein Gebet oder eine kleine Übung, eine Dankbarkeitspraxis, eine Fürbitte oder Ähnliches. Hör dir das also sehr, sehr gerne an und ansonsten wünsche ich dir jetzt viel Spaß beim Lesen.

Heute will ich gerne damit anfangen, dass ich nochmal kurz drei Sachen dazu mit dir teile, wie das Unchurching gedacht ist, also was die Idee dahinter ist.

1. Das erste ist, dass dieses Wort Unchurching sich anlehnt an die Bewegung des Unschooling. Während das herkömmliche Homeschooling sozusagen die Schule nach hause holt, geht man beim Unschooling davon aus, dass Bildung und Lernen und persönliches Wachstum und ein ständiges Erweitern des eigenen Horizonts etwas ist, was uns als Menschen ganz natürlich und intrinsisch in die Wiege gelegt ist und was nicht in der Schule und nicht durch irgendwelche Lehrpläne stattfindet, sondern mitten im Leben und durch das Leben.
Und genau so ist das Unchurching gedacht. Spiritualität und Glauben und unsere Beziehung zum Göttlichen in uns und unserem Leben ist das Natürlichste und Normalste von der Welt. Wir sind von Natur aus spirituelle Wesen, wir sind verbunden mit uns selbst, wir kommen auf die Welt als pure Lebendigkeit, pure Liebe und Verletzlichkeit, aber wir verlieren, oder wir verlieren nicht, aber wir vergessen das im Laufe der Zeit, aber wir können uns wieder daran erinnern. Und dieses sich daran erinnern und sich daran wieder ausrichten, an der Liebe und unseren Glauben und unsere Spiritualität leben und Gottesdienst feiern, das tun wir eben nicht in der Kirche, sondern mitten in unserem Alltag und in unserem Leben und durch das Leben.

Das soll nicht heißen, dass Kirche nicht für manche eine tolle und total spirituelle Sache ist, aber definitiv nicht für jeden und trotzdem wünschen wir uns eine lebendige Beziehung mit dem Göttlichen und Anlaufpunkte und Rituale und einen Austausch.

2. Das Zweite, was ich dazu heute mit dir teilen möchte ist eine Sache, die mir persönlich sehr wichtig ist: dass meine persönliche Spiritualität und mein Glauben christlich ist - so wie ich das verstehe - aber mir ist das so wichtig, es ist mir wirklich ein Herzensthema (wirklich, ich habe genau dazu jahrelang geforscht und meine Doktorarbeit geschrieben), dass es keine, aber auch garkeine Rolle spielt, ob und welche Religion du hast. Das muss aufhören. Dass Religion der Spiritualität übergeordnet wird.
Es spielt keine Rolle, es ist nichts vorausgesetzt: Glaube, Gott, der spirituelle Weg, setzen nichts voraus, außer dich selbst und deine Bereitschaft und dein Mut, ganz da zu sein.

3. Es geht - und das ist das dritte, was ich dir heute mitgeben will - bei Gott, beim Glauben, bei Spiritualität um dich. Es geht um dich und zwar genau so, wie du jetzt gerade bist. Ich versuche bei Ganz Da und beim Unchurching meine Gedanken zum Glauben und zu Gott mit dir zu teilen, so ehrlich und so genau es nur geht, nicht um dich damit irgendwie zu belehren, sondern um dich an etwas zu erinnern, was in dir ist.

Und dir das zu sagen, was ich mir vor vielen Jahren mit Anfang-Mitte Zwanzig so sehr gewünscht hätte, dass mir das jemand mal sagt, wenn ich in die Kirche gegangen bin. Dass es um dich geht. Dass es bei Gott um dich geht und dich wieder daran zu erinnern wie unendlich wertvoll und wichtig und wundervoll du bist. Und was für ein Geschenk du bist, so wie du bist, und dass es nicht darum geht, perfekter zu werden und noch mehr zu leisten und alles richtig zu machen und genau Bescheid zu wissen, sondern dass es darum geht, dein Herz weiter und weiter zu öffnen und diese Liebe zu finden, die in dir ist, und diese Liebe immer größer und größer werden zu lassen.
Und das bedeutet für mich Gottesdienst. Mich wieder an dieser Wahrheit auszurichten, nämlich der Wahrheit, dass wir alle aus der Liebe kommen und dass wir alle hier sind um der Liebe zu dienen und auf unsere ganz einzigartige Weise unsere Liebe in die Welt zu bringen.

Genau, das war es von mir für heute, wenn du jetzt Lust hast, noch eine Meditation, ein Gebet, eine Zeit in der Stille zu halten - was für mich definitiv zu einem Gottesdienst dazu gehört - dann habe ich wie gesagt eine schöne Meditation am Ende der Audiodatei für dich aufgenommen, die du dir gerne einfach anhören kannst. Ansonsten bis nächste Woche!

Von Herzen,
Deine Anne