Wie geht beten?

Ich beginne mein Gebet, indem ich still werde und mich nach innen öffne. Ich höre auf, Gott im Außen zu suchen - das Außen zu etwas zu machen, was wichtiger ist, als auf mein eigenes Herz zu hören. Und dafür spielt es keine Rolle, ob dieses Äußere eine krasse Karriere, ein neues Handy oder die Bibel oder das krasseste neue Achtsamkeitsretreat ist… Sobald ich dieses Andere wichtiger nehme als das, was mein eigenes Herz mir sagt, mache ich es zu meinem Gott.

Ich höre auf, Gott im Anderen zu suchen - das Andere zu etwas zu machen, was wichtiger ist, als das was jetzt und hier da ist, was in meinem eigenen Herzen ist.
Sitzen in der Stille also. Ich wende mich nach innen, ich komme an in diesem Moment. In meinem Körper. Spüre meinen ganzen Körper von innen. Lausche meinem Atem.
Ich lasse mich mit jedem Atemzug tiefer und tiefer hineinsinken. Ich suche diesen Kern in mir, der Ja sagt.
Und dann tauchen erstmal lauter Gedanken auf, eine endlose Liste von Dingen, die ich jetzt tun müsste, die wichtiger sind, als mich mit mir selbst zu verbinden. Ich muss die Zeit “nutzen”. Ich muss weiterkommen und Arbeit leisten. Aber wohin soll dieses “Weiter” mich führen? Was gibt es denn Wichtigeres und Größeres, was soll das sein? Welche Arbeit soll wichtiger sein, als mich selbst aus vollem Herzen zu leben?
Wenn es mich nicht tiefer hinein führt in diesen Moment, hinein in die Gegenwart, dann führt es mich sicherlich auch nicht weiter.
Zu üben, diese ganzen Widerstände loszulassen und ganz da zu sein, das ist meine einzige Aufgabe, meine heilige Verpflichtung. Das ist ein Glaubensakt. Wieder und wieder und wieder.
Es ist ein Wagnis. Es braucht die Bereitschaft, loszulassen. Den Widerstand loszulassen, unseren notorischen Drang, zu machen, zu reparieren, zu verbessern, auf irgendeine Zukunft hin zu leben, das notorische Profitdenken.
“Ich muss wissen, dass es sich lohnt.” Was soll das bedeuten? Was soll der Lohn denn sein? Da kommt nichts Größeres mehr, es geht nicht weiter.
Es braucht Mut. Und das ist ein Mut, den wir von Natur aus haben, den wir aber nach und nach verlernt haben, weil wir stattdessen irgendwie gelernt haben, dass es sicherer ist, die Zukunft zu kontrollieren, auf irgendeine Zukunft hin zu leben, anstatt ganz da zu sein, in diesem Moment.
Das ist auf so vielen Ebenen so beängstigend für uns, einzusehen, dass das wirklich alles gewesen sein soll. Dass da nichts Großes mehr kommt, dass wir nicht mehr werden, dass es nichts da draußen gibt, womit wir unseren Wert steigern können, womit wir dieses Loch in uns drinnen stopfen können, keinen Sinn, den wir da draußen irgendwie sehen, auf den wir uns fixieren können, auf den wir zurennen können, mit dem wir uns ablenken können von der Leere, die in unserem Inneren klafft.
Wir sind so sehr auf Mangel und Reparieren Müssen konditioniert, darauf, zu schauen, was uns fehlt, diese besorgten, gestressten, ängstlichen, unkonzentrierten Wesen, die es am liebsten nicht auch nur für eine Minute aushalten können, einfach zu sein. Loszulassen und einfach nur das Sein zu lassen. Die nicht daran glauben können, dass es nichts zu tun gibt. Wir sind so sehr konditioniert darauf, zu kämpfen, im Widerstand zu sein mit dem Jetzt, mit dem was ist - irgendwas ist immer, irgendwas kann man immer noch besser machen, irgendwas ist immer noch nicht gut genug, an mir nicht, am Jetzt nicht.
Wir sind so auf Mangel konditioniert, dass uns ein echtes, vollherziges Ja nicht so leicht über die Lippen geht, und wenn es auch nur für einen Atemzug ist. Einen Atemzug lang: Ja! Zu mir, zum Jetzt.
Den Widerstand loslassen. Das Eingreifen loslassen.
Es gibt nichts Wichtigeres zu tun, nichts Sinnvolleres, es ist meine heilige Verpflichtung und meine einzige Aufgabe überhaupt. Ganz da sein. Ohne Vorbehalte.
Das ist das ehrlichste Gebet, das ich kenne.